
You are my freedom, you are my bond ... destiny will paint our ways
"Du schaffst das schon!" Lea klopfte mir optimistisch lächelnd auf die Schulter. "Er wird dich schon nicht fressen! Hach, ich freu mich ja so für euch!"
"Hm", machte ich nur, nickte aber zaghaft. Noch immer war ich unsicher, aber mittlerweile überwogen die Nervosität und die Aufgeregtheit.
Im Flur umarmte mich der kleine Sonnenschein noch einmal, schenkte mir erneut ein aufmunterndes Lächeln und schon war sie mit einem "Mata neee~" verschwunden. Ich winkte ihr nach, dann schloss ich leise die Tür.
Wieder allein in der Wohnung, tigerte ich vom Flur in die Küche und sah mich um. Die Erinnerungen ans letzte Jahr kamen zurück, ich sah mich hektisch umher rennen, um den Kuchen, den ich für Duncan backen wollte, irgendwie hinzukriegen. Ich hatte so gut wie keine Ahnung von dem Rezept gehabt, weil ich kaum etwas verstanden hatte, aber irgendwie waren weder er noch ich an dem Backwerk gestorben.
Auch dieses Jahr hatte ich wieder einen Kuchen gebacken, einen anderen diesmal, bei dem mir auch das Lesen und Verstehen des Rezeptes deutlich leichter gefallen war. Immerhin war ich nun schon über ein Jahr in Kanada und dank Duncan, Lea und auch den Infinitys hatten sich meine Englischkenntnisse langsam verbessert. Vor kurzem erst hatten Lea und ich zusammengesessen und hatten gemeinsam meine Texte übersetzt und verbessert - mehrere Tage hintereinander übrigens, weil sie zum Glück Sommerferien hatte. Meine ersten englischen Gehversuche. Natürlich war es auch in Japan üblich gewesen, ein paar englische Worte in den ansonsten komplett japanischen Text einzustreuen. Das klang einfach cooler. Aber von wirklich Englisch sprechen war das eben noch meilenweit entfernt, wie ich feststellen musste. Dank Lea jedoch konnte ich nun stolz auf meine englischen Werke blicken und hatte sogar vor einiger Zeit damit begonnen, sie musikalisch umzusetzen. Nur für mich allein und ohne Duncans Wissen. Er war ohnehin sehr mit dem neuen Album und den damit verbundenen Auftritten bei Musiksendern und Fotoshootings beschäftigt.
Vor ein paar Tagen hatte ich ihn, wie so oft in letzter Zeit, schlafend an seinem Schreibtisch gefunden. Die Kerzen hatten noch immer gebrannt und leicht geflackert, als ich an ihnen vorbei zu meinem Engel getreten war. Er hatte den Kopf auf die verschränkten Arme auf der Tischplatte gelegt, erschöpft von seinem stressigen Alltag.
Diese Szene hatte Erinnerungen in mir geweckt, Erinnerungen an die Anfangszeit von Insane. Wir hatten keinen Drummer, nachdem der alte uns fast weggestorben war und seitdem in einer Klinik vor sich hin vegetierte. Überdosis H. Duncan kam da gerade Recht. Er hatte Talent, machte keine Szene, nahm zumindest keine Drogen - wie manch anderer aus der Band - und schien ins Konzept zu passen. Ein Yankee als Drummer - und einer als Gitarrist -, das war wirklich "insane", selbst für eine verrückte japanische Visual Kei Band wie uns.
Der Erfolg kam rasend schnell, nachdem unser Mini-Album "Tsubasa" auf Platz 4 in die Charts eingestiegen war. Innerhalb weniger Wochen waren wir die Nummer 1, gaben ein ausverkauftes Konzert nach dem anderen und spielten in fast ganz Japan. Die Alben waren meistens kurz nach dem Verkaufsstart ausverkauft, die Verkaufszahlen der Live-DVD schlugen selbst monatelang heiß ersehnte Top-Kinofilme um ein Vielfaches.
In den ersten wenigen Wochen und Monaten hatte sich unser verrückter Haufen gut zusammengerauft. Es gab oft genug Streit und Egotrips, doch letztendlich waren wir eine Einheit. Nur Duncan ... er blieb anfangs immer der Außenseiter, der, über den wir hinter seinem Rücken lachten, weil er sich seltsam benahm, weil er auch im Sommer, wenn wir alle in Tanktops oder oben ohne herumliefen, nie sein langes Hemd auszog, weil er sich nicht wie wir jeden Abend nach einem Konzert ins Delirium soff und weil er einfach der Yankee, der Ausländer war. Sicher, Ansgar war auch kein Japaner ... doch der hatte sich unserer Meinung nach schließlich nicht seltsam benommen, sondern war lieber einen mit uns trinken gegangen.
Doch diese eine Nacht in der Pension damals ... nach dem Konzert, als niemand mehr in der Lage war, nach Hause zu fahren - nicht einmal Hisashi, der betrunken in der Gaststube geschlafen hatte. Diese Nacht hatte so vieles verändert.
Ich hatte beim Auslosen der Zimmer verloren, sodass ich gezwungen gewesen war, mir mit Duncan ein Doppelzimmer zu teilen. Er war sofort nach der Ankunft in der Pension im Zimmer verschwunden, ich dagegen hatte mir mit Saith und Ansgar ein Wetttrinken geliefert, das ich klar gewonnen hatte.
Als alle verschwunden waren, hatte ich absolut noch keine Lust, schlafen zu gehen. Trotzdem hatte ich kurz darauf bei Duncan im Türrahmen gelehnt - natürlich mit einer noch vollen Flasche Wein in der Hand - und ihn beobachtet.
Er hatte geschrieben. Völlig in Gedanken hatte er am Schreibtisch gesessen, zwei Kerzen und ein volles Blatt Papier vor sich, die Haare noch nass vom Duschen, nur in eine Jeans und ein enges Shirt gekleidet.
Ein enges Shirt?
Ärmellos?!
Ich war überrascht gewesen, hatte nach einer Weile, in der er mich gar nicht bemerkt hatte, die Tür geschlossen und war nach einem kurzen Blick seinerseits zu ihm herübergegangen ... und auf halbem Wege erstarrt. Tiefe rote Schnitte auf seinen Unterarmen, wahrscheinlich frisch, sehr frisch, und teilweise wieder aufgerissen.
Er hatte nichts gesagt, ich hatte gar nichts sagen können, nur die Weinflasche hielt ich in meinem umnebelten Zustand fest umklammert. Von einer Sekunde auf die andere hatte sich mein Bild von ihm vollkommen geändert. Ich hatte in diesem Moment nicht den dunkelhaarigen Amerikaner mit der seltsamen Art und dem so anderen Verhalten als unseres gesehen. Zum ersten Mal hatte ich ihn wahrgenommen als Duncan, als einen vier Jahre älteren Mann, der in dieser Band genau wie ich etwas suchte. Und der durch eine ähnliche Hölle wie ich selbst gegangen sein musste. Vielleicht immer noch ging. Meine Hand hatte wie von selbst ihren Weg in seinen Nacken gefunden und darüber gestrichen, als er den Kopf auf die verschränkten Arme hatte sinken lassen. Genau an jener Stelle im Nacken prangte heute das Kanji für Insane, das nicht nur ein Symbol in meiner Sprache, sondern für uns ein unglaublich großes Stück unseres Lebens war.
An diesem Abend hatten wir die Weinflasche noch geleert, während ich neben ihm gesessen hatte, schweigend. Irgendwann waren mir die Augen zugefallen, ich konnte mich nicht daran erinnern, ob er daraufhin auch ins Bett gekommen war. Ich wusste nur eines: seit langem hatte ich in dieser Nacht wieder gut geschlafen.
Ich schloss kurz die Augen und ließ mich, mittlerweile im Wohnzimmer angekommen, auf die Couch fallen.
Wie viel war seitdem passiert? Wie viel hatte sich geändert? Wie viel hatten wir beide durchgemacht ... zusammen und allein ...
Der Höhepunkt des Erfolges, die letzte Tour, der Zusammenbruch, die Trennung. Auch unsere Wege hatten sich getrennt. Seiner führte ihn zurück in seine Heimat und in eine neue Zukunft, meiner führte nur in die Vergangenheit und die Dunkelheit, die dort meiner wartete. Zweieinhalb Jahre lang schien Insane nichts weiter als ein Traum, ein Hirngespinst, ausgelöst durch eine Überdosis, gewesen zu sein.
Und dann ... kreuzten sich unsere Wege endlich wieder. Unfassbares Glück, die Tour mit Duncans neuer Band, so viel Neues, Wunderbares, Unbekanntes ... die schreckliche Nachricht vom Tod von Duncans Bruder, ein erneuter Zusammenbruch, ein Aufbruch in ein unbekanntes - nein, nicht ganz unbekanntes - Land. Duncans Familie. Lea. Duncans Leben, die Musik, das Zusammenwachsen seiner und Leas Familie, mein erstes richtiges Weihnachten nur mit Duncan. Neujahr. So viele Wünsche, Hoffnungen, Träume. Ein Anruf, meine Vergangenheit hatte mich eingeholt. Angst, Schmerzen und ... das Gefühl des Aufgefangenwerdens. Zuversicht. Neuer Mut.
Ich strich mir das Haar aus der Stirn, ein leichtes Lächeln auf meinen Lippen. Dank Duncan - und Lea - hatte ich meine Vergangenheit endlich besiegen können. Und dank Duncan und dem kalten Entzug, den er mir verpasst und dann zusammen mit mir durchgezogen hatte, konnte ich sie endlich vollständig hinter mir lassen. Ich war stolz auf mich: schon ein gutes halbes Jahr hielt ich ohne die Tabletten oder andere Vergessenmacher aus, ebenso lange hatte ich mich nicht mehr verletzt, wie ich es damals getan hatte, als mein Körper so stark nach den Drogen verlangt hatte.
Und auch Duncans Wunden waren mit der Zeit verheilt. Als ich ihn vor ein paar Tagen schlafend am Schreibtisch fand, konnte ich erkennen, dass die Narben langsam verblasst waren, dass er sich in letzter Zeit keine Wunden mehr zugefügt hatte - trotz all dem Stress, dem er jeden Tag ausgesetzt war.
Augenscheinlich war ich doch in der Lage, ihm den Halt zu geben, den er so dringend brauchte. Den Halt, den er mir jeden Tag aufs Neue gab und von dem er wusste, wie nötig er für mich war.
Und nun, nach all den Jahren, nach all den Erlebnissen, wollte ich ihn wagen, den letzten Schritt. Ich wollte die letzte Brücke überwinden, die mich noch von ihm trennte.
Heute, an seinem siebenundzwanzigsten Geburtstag.
Zuvor hatte ich alles genau geplant. Tagelang hatte ich mich zunächst mit diesem Gedanken herumgetragen, hatte hin und her überlegt und war schließlich zu dem Entschluss gekommen, dass ich es wirklich wollte. Duncan und ich waren mittlerweile seit acht Jahren zusammen ... sicherlich würde er mir nicht den Kopf abreißen. Ob er vielleicht selbst auch schon daran gedacht hatte? Wahrscheinlich nicht, schließlich hatte er stets so viele andere Dinge im Kopf gehabt ... seine Familie, die sich letztendlich doch vertragen hatte, die Band, das neue Album, die damit verbundenen Termine, Songs und Musik schreiben ... sein Leben eben. Natürlich spielte auch ich darin eine große Rolle - dennoch dachte ich nicht, dass seine Gedanken schon in diese Richtung gegangen waren.
Nachdem ich mir sicher gewesen war, dass ich das Ganze wirklich durchziehen wollte, hatte ich Lea eingeweiht. Schließlich brauchte ich Hilfe bei ein paar Dingen. Große Hilfe. Bei vielen Dingen.
Lea war sofort hellauf begeistert gewesen von der Idee, hatte mich umarmt, mich angestrahlt und sich einfach nur unglaublich gefreut. Als ich ihr gesagt hatte, dass ich unbedingt ihre Hilfe brauchen würde, hatte sie ohne Umschweife zugestimmt. Und dies war wahrscheinlich das erste Mal, dass ich genau wusste, was auf mich zukommen würde und worauf ich mich einließ. Und was ich noch zu tun hatte.
Duncans Familie hatte sich mittlerweile glücklicherweise an mich gewöhnt, obschon sie mir in der ersten Zeit in Kanada sehr reserviert und abschätzend gegenübergestanden hatte. Nun jedoch schien sie es akzeptiert zu haben, dass ich wie ein Schatten meistens an Duncans Seite war und mich nichts und niemand von diesem Platz wegbewegen konnte. Sogar Duncans Vater hatte sich damit abgefunden, wie mir Amanda - ich durfte sie mit dem Vornamen ansprechen, was ich mich niemals bei Duncans Vater trauen würde - eines Abends einmal hinter vorgehaltener Hand erzählt hatte.
Also hatte ich eines Samstag Nachmittags, als Duncan gerade bei den Proben war, all meinen Mut zusammengenommen und war zu Amanda gefahren, wo ich auch - dank Lea - Samantha, Nick und Duncans Vater angetroffen hatte. Natürlich war Lea selbst zu meiner Unterstützung ebenfalls anwesend gewesen.
Verwunderte Blicke hatten mich getroffen, als ich mit ernstem Gesicht kundgetan hatte, etwas Wichtiges bereden zu wollen. Mein Englisch war zum Glück in der letzten Zeit - ebenfalls dank Lea und ihren Bemühungen, meine Songtextversuche zu perfektionieren - besser geworden, sodass ich mich halbwegs hatte verständigen können. Zur Not, hatte mir Lea zuvor mehrmals versichert, hätte sie mir ausgeholfen.
Ich hatte zuvor tagelang überlegt, wie ich es anstellen sollte, war aber zu keinem Schluss gekommen, also hatte ich mich für die direkte Variante entschieden. Ich hatte es einfach geradeheraus gesagt. Und für ein paar Sekunden war es im Wohnzimmer totenstill gewesen, nur Duncans Vater hatte einmal kurz nach Luft geschnappt, ansonsten aber geschwiegen. In dieser kurzen Zeitspanne hatte ich sogar vergessen zu atmen, so angespannt war ich. Wie würde die Familie meines Engels reagieren?
Als sich auch nach einer halben Minute nichts geregt hatte, war mir Lea einfach aufs Neue mit den Worten "Koichi, das ist so wunderbar, ich freu mich ja so!" um den Hals gefallen. Das hatte das Eis gebrochen und auch Nick hatte lachend zugestimmt. Samantha hatte ebenfalls ihr Okay gegeben, während Amanda einfach nur sanft in meine Richtung gelächelt hatte, doch das war mir als Bestätigung vollkommen ausreichend gewesen. Unsicher war mein Blick zu ihrem Mann gewandert, der mit ernster Miene im Zimmer gestanden und mich gemustert hatte. Hatte ich zuviel verlangt? Nicht genug damit, dass er vor kurzem Duncan überhaupt erst wieder als Sohn akzeptiert hatte ... nun auch noch diese Eröffnung von mir, mir, dem Mann an Duncans Seite, zu dem er immer noch keinen rechten Zugang gefunden hatte.
Instinktiv hatte ich aufs Neue die Luft angehalten, nachdem ich nach Leas "Attacke" wieder begonnen hatte, zu atmen und wartete angespannt auf seine Reaktion.
Sie fiel knapp aus.
"Ihr seid alt genug. Macht, was ihr wollt."
Am liebsten wäre ich ihm in diesem Moment um den Hals gefallen wie Lea mir kurz davor, doch ich hatte mich gerade noch zurückhalten können. Dass mir in diesem Moment Tränen in die Augen gestiegen waren, hatte ich allerdings nicht verhindern können.
Ich hatte ihren Segen.
Nun fehlten nur noch drei Dinge - abgesehen von einer Heidenorganisation.
Die Infinitys.
Das Geschenk.
Und Duncan selbst.
Nur noch wenige Tage bis zu seinem Geburtstag.
Gleich am nächsten Tag hatte ich mich von Duncan mit zu den Proben nehmen lassen. Glücklicherweise hatte ich die Handynummern der meisten Infinitys, sodass ich Cornelius vorgewarnt hatte, dass ich etwas mit ihnen - und zwar ohne Duncan - bereden wollte. Er hatte sich etwas ausdenken sollen, wie er Duncan für ein paar Minuten außer Hör- und Sichtweite bekommen konnte.
Kaum am Probenraum angekommen, hatte sich Terry meinen Engel geschnappt, mir zugezwinkert und ihn mit sich in den Nebenraum gezogen, angeblich, weil er einen grandiosen Einfall gehabt hatte und nun erst einmal die Meinung des Bandleaders hören wollen würde. Schon hatte ich freie Bahn gehabt, die Informationen würden zu Terry auch noch durchdringen, da war ich mir sicher gewesen - und hatte Recht behalten.
Nach der Eröffnung meines Vorhabens hatte im Probenraum für genau sieben Sekunden Totenstille geherrscht. Dann Nicks Stimme: "Nich' dein Ernst?!" War es aber. Keinen Atemzug später lauter Jubel und schon hatte ich vier freudestrahlende Infinitys am Hals gehabt, die mich umarmten.
"Wenn du uns brauchst für irgendwas, sag einfach Bescheid, ja?! Mensch, dass wir das noch erleben dürfen!" Cornelius' Grinsen war wirklich ansteckend gewesen und so hatte ich nur glücklich genickt. Auch hier konnte ich also auf Unterstützung zählen - und die hatte ich auch bitter nötig.
Ein paar Tage später hatte ich mich mit Lea getroffen, um ein paar Läden zu besuchen. Spezielle Läden ... Da ich leider keine genauen Vorstellungen davon gehabt hatte, was ich wollte, hatte ich Lea zur Beratung dabei. Ohnehin hatte sie schon an dem Tag, an dem ich sie eingeweiht hatte, verkündet, dass sie dabei sein wollte, wenn ich das Geschenk aussuchen würde. Oder zumindest einen sehr wichtigen Teil des Geschenks.
Wir hatten ein paar Geschäfte in der näheren Umgebung abgeklappert, doch es war nichts dabei gewesen, was meinen Wünschen und Anforderungen auch nur im Geringsten entsprochen hätte. Resigniert hatte ich mich am Nachmittag auf einen Stuhl in einem Café fallen lassen und war verzweifelt darin aufgegangen, mir auszumalen, dass ich niemals das perfekte Geschenk für meinen Engel finden würde. Lea hatte mich aufgebaut, mir vorgeschlagen, dass wir in die nächste größere Stadt fahren könnten, um dort noch ein paar Läden zu besuchen. Was nur wäre ich ohne unsere kleine Prinzessin gewesen?!
Am späten Abend - zum Glück hatten die meisten Geschäfte bis zehn Uhr abends geöffnet - endlich hatte ich mein Glück kaum fassen können. Da lagen sie vor mir, verschlungen in völliger Perfektion hatten sie das strahlende Licht der Auslage reflektiert und nur darauf gewartet, von mir anprobiert zu werden. Auch Lea war sofort Feuer und Flamme für meine Wahl gewesen und als wäre es Vorhersehung gewesen, hatten sie wie angegossen gepasst.
An diesem Abend war ich glücklich wie nie zuvor und mit einem wunderbar erwartungsvollen Gefühl neben meinem Engel eingeschlafen. Nur noch zwei Tage ... zwei Tage, um die - fürs erste - letzten Vorbereitungen zu treffen.
Und heute, jetzt, war es soweit. Duncans Geburtstag.
Er musste jeden Moment nach Hause kommen. Die Infinitys hatten mir zugesichert, dass sie ihn so bald wie möglich zu mir nach Hause scheuchen wollten. Wie auch schon im letzten Jahr verbrachte Duncan seinen Geburtstag im Studio bei den Jungs, hatte heute Morgen allerdings bei seiner Familie vorbeigeschaut, weil Amanda ihm Prügel angedroht hatte, würde er sich nicht blicken lassen. Lea hatte mich angerufen, nachdem Duncan gerade wieder ein paar Sekunden aus der Tür gewesen war, hatte mir berichtet, dass sie das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommen hatte, weil sie ja schließlich wusste, was ihren Lieblingsonkel heute Abend noch zu Hause erwartete. Sie hatte mir versichert, dass ich den Tag bis zu Duncans Rückkehr nicht allein verbringen müsste und sich für eine Stunde später bei mir angekündigt.
Bloß gut, dass sie mich den Tag über abgelenkt hatte, denn ich war schrecklich nervös, seit Duncan das Haus verlassen hatte.
Nun allerdings war ich wieder allein und harrte der Dinge, die da kommen mochten.
Schon hörte ich einen Schüssel klimpern, kurz darauf schob mein Engel die Tür auf und trat mit einem "Tadaima!" in den Flur.
"Kaerinasai", erwiderte ich lächelnd und erhob mich vom Sofa. Nachdem Duncan seinen Mantel abgelegt und den Instrumentenkoffer abgestellt hatte, umarmte ich ihn.
"Sag mal, kam es mir nur so vor oder kann es sein, dass meine Jungs mich heute regelrecht nach Hause geprügelt haben?"
Ich grinste nur unschuldig - es war schließlich gerade mal halb zehn, so richtig gefeiert konnten die Jungs also noch nicht haben.
Duncan verstand aber dennoch und erwiderte mein Grinsen. "So sooo", machte er, schob sich dann an mir vorbei ins Wohnzimmer. "Es riecht gut, hast du wieder einen Kuchen gebacken?"
"Ja", antwortete ich, während ich in der Küche verschwand, um selbigen zusammen mit der Flasche Rotwein und zwei Tellern zu holen. Dieses Jahr hatte Duncan seinen Geburtstag wenigstens nicht vergessen.
Nach wenigen Augenblicken kehrte ich mit Kuchen und Wein bewaffnet zu meinem Engel zurück und stellte die Sachen auf den niedrigen Couchtisch. Zwei bauchige Weingläser standen schon bereit. Meine Nervosität war in der Küche mit einem Schlag zurückgekehrt - sie hatte sich nämlich kurzzeitig mit Duncans Auftauchen verflüchtigt - sodass ich leicht zitterte, als ich den Kuchen anschnitt.
"Alles klar, Koi? Du wirkst so nervös", erkundigte sich mein Engel, der gerade die Schuhe von sich und sich selbst auf die Couch geworfen hatte.
Ich lächelte ihn an, doch es wirkte ein wenig unsicher. "Ja, ich bin nur etwas aufgeregt. Wollen wir gleich ein wenig Kuchen essen und Wein trinken oder ... magst du vorher dein Geschenk haben?"
"Mein Geschenk? Noch etwas? Ach, Koi, lass doch ..." - "Nein, ich lasse das nicht, das weißt du doch. Ich bin ein Sturkopf und das habe ich doch auch schon letztes Jahr bewiesen." Ich strich zärtlich mit dem Zeigefinger über den Kreuzanhänger, der an einer Silberkette seit genau einem Jahr seinen Hals zierte.
"Stimmt", lachte er und zog mich an sich. "Lass mich erstmal ein bisschen ankommen mit einem Glas Wein und natürlich will ich unbedingt deinen Kuchen probieren, wenn du dir schon wieder so viel Mühe gibst ... und dann bin ich bereit für dein Geschenk." Er küsste mich sanft, ich konnte nur nicken.
Ahnte er etwa etwas? Oder war diese letzte Formulierung nur zufällig gewählt?
Noch ein wenig nervöser als zuvor ließ ich mich neben ihn aufs Sofa sinken und lud jeweils ein Stück Kuchen auf die beiden Teller.
Dann schenkte ich ihm und danach mir Wein ein - denselben wie im letzten Jahr, weil ich wusste, dass er Duncan geschmeckt hatte - und ließ mich schließlich wieder neben ihn sinken.
"Auf dich, mein Engel", flüsterte ich und stieß mit ihm an.
Die nächste Stunde verbrachten wir damit, den Kuchen zu essen, ein wenig Wein zu trinken und einfach die Nähe des anderen zu genießen.
Trotz meiner Nervosität hatte mich seine Hand in meinem Nacken schläfrig gemacht - schließlich war ich in den letzten zwei, drei Wochen auch wie ein aufgescheuchtes Huhn herumgerannt, sobald Duncan mal weg war - und so schreckte ich auf, als ich die leise Stimme meines Engels nahe an meinem Ohr hörte.
"Koi? Schläfst du etwa?"
"N-nein", antwortete ich schnell und richtete mich auf. Sein leichtes Grinsen empfing mich. Erwartungsvoll schaute er mich an. "Bist du jetzt angekommen?", fragte ich, strich durch sein langes Haar. Er nickte grinsend. "Möchtest du dein anderes Geschenk also nun haben?", hakte ich erneut nach, wieder ein lächelndes Nicken. "Ok, dann warte kurz."
Ich erhob mich auf wackligen Beinen und stakste ins Schlafzimmer, wo ich mein Geschenk vor zwei Tagen versteckt hatte. Ich holte noch einmal tief Luft, als ich das kleine Kästchen in Händen hielt, redete mir selbst ein letztes Mal Mut zu.
"Ganbatte ne, Koichi ... jetzt oder nie!"
Lächelnd kehrte ich zu ihm zurück, die Hände hinterm Rücken. Anstatt mich aber zu ihm zu setzen, blieb ich vor der Couch stehen und schenkte ihm einen tiefen Blick. "Ano ...", begann ich, ließ mich schließlich genau vor ihm auf die Knie sinken und atmete noch einmal verhalten durch. Duncan sah mich mit großen Augen an, doch bevor er etwas sagen konnte, redete ich weiter.
"Ich habe lange überlegt, ob es das Richtige ist und ob dieses Geschenk wirklich ein Geschenk ist ... Aber ich hoffe es einfach." Sein Blick zeigte mir eine leichte Verwirrung, anscheinend wusste er nicht, wie er das Ganze einordnen sollte. Noch immer die Hände hinterm Rücken verborgen fuhr ich fort: "Soshite ... Duncan, du bist mein Ein und Alles, seit mittlerweile acht Jahren und ich liebe dich mehr als ich jemals etwas geliebt habe, ich liebe dich mehr als mein Leben. Und du machst mich zum glücklichsten Mann auf dieser Welt und ... und deshalb ... ich ..." geriet furchtbar ins Stottern und brach kurz ab, um mich zu sammeln. Dummerweise sammelten sich nun auch Tränen in meinen Augen - wenn es auch Tränen der Rührung waren, doch woher sollte Duncan das wissen? Seine Hand fand meine Wange, er hatte sich leicht nach vorn gebeugt, um mich genauer ansehen zu können.
"Koi, was ...?", weiter kam er nicht, ich schüttelte nur leicht den Kopf, während ich nun meinerseits seine Hand in meine nahm und sanft drückte. Ich sah ihm direkt von unten her in die Augen und fasste meinen ganzen Mut zusammen - auch wenn mir das Herz gerade gehörig in die Hose gerutscht war.
Obwohl ich mir das mit meinen zitternden Händen gar nicht mehr zugetraut hätte, hatte ich es irgendwie geschafft, das Kästchen mit der Hand hinter meinem Rücken zu öffnen und holte es nun langsam hervor. Mit jedem Zentimeter, den es sich Duncan näherte, wurden dessen Augen größer.
Ich drückte mit meiner anderen Hand noch einmal ein wenig fester seine und hielt den fein geschwungenen Silberring in seinem Samtbett genau vor ihn.
"Duncan ... aishiteru ...", flüsterte ich.
"Willst du mich heiraten?"
14.09.2008
Hallo mein Engel ... ich wünsche Dir zu Deinem *nuschelnuschelhabdochglattdiezahlvergessen;)* Geburtstag das Allerbeste ... ich liebe Dich und bin so unendlich froh, dass Du in mein Leben getreten bist ...
Auf dass im neuen Lebensjahr Deine Träume wahr werden und Du Dich immer aufgefangen und geborgen fühlst ... Aishiteru *drückt dir ein sanftes küsschen auf* Dein Kroko ... oder Koi ... oder Flämmchen ... ganz wie Du willst ...
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